
Allgemeine
Informationen über erblichen Darmkrebs
Arten
des erblichen Dickdarmkrebses
Dickdarmkrebs (kolorektales Karzinom)
zählt mit circa 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten bösartigen
Tumorerkrankungen in Westeuropa. Die meisten Fälle von Dickdarmkrebs treten in
höherem Lebensalter und sporadisch – das heißt als Einzelfall innerhalb
einer Familie – auf und sind nicht erblich. Bei etwa 25 % der Patienten
mit Dickdarmkrebs findet man eine familiäre Häufung der Erkrankung. Bei etwa 5
% der Patienten liegt eine der heute bereits bekannten erblichen Formen von
Dickdarmkrebs vor.
Diese erblichen Tumorerkrankungen
(hereditäre Tumordispositions-Syndrome) des Magen-Darm-Traktes umfassen mehrere
klinisch und molekulargenetisch differenzierbare Krankheitsbilder, insbesondere
den erblichen Dickdarmkrebs ohne Polyposis (HNPCC oder Lynch-Syndrom) und die
erblichen Polyposis-Syndrome. Zu den letzteren gehören die Familiäre
adenomatöse Polyposis (FAP), die MUTYH-assoziierte Polyposis (MAP), das
Peutz-Jeghers-Syndrom (PJS) und die Familiäre juvenile Polyposis (FJP). Auch
beim Cowden-Syndrom (CS) können Polypen des Gastrointstinaltraktes auftreten.
Wann besteht Verdacht auf erblichen
Dickdarmkrebs?
Der Verdacht auf ein erblich
bedingtes Tumordispositionssyndrom liegt besonders dann nahe, wenn in einer
Familie eine Häufung bestimmter Krebsformen vorliegt und/oder Personen auch in
jüngerem Alter an Darmkrebs erkrankt sind. Das Auftreten mehrerer
Erkrankungsfälle in einer Familie ist allerdings nicht beweisend für das
Vorliegen von erblichem Darmkrebs, da bei der Häufigkeit von Dickdarmkrebs in
der Allgemeinbevölke¬rung mehrere Erkran¬kungsfälle in einer Familie auch
zufällig auftreten können.
Erstgradig verwandte
Personen (Kinder, Geschwister, Eltern) von Patienten mit erblichem Darmkrebs
haben meistens ein hohes Erkrankungsrisiko für diese Tumorerkrankung, sie
werden deshalb als Risikopersonen bezeichnet. Diesem Personenkreis werden
engmaschige Vorsorge- bzw. Früherkennungs-Untersuchungen empfohlen, denn ein
früh erkannter Tumor hat gute Heilungschancen. Insbesondere mit der
Dickdarm-Spiegelung (Koloskopie) steht Risikopersonen heute eine effektive Form
der Früherkennung von Dickdarmkrebs bzw. dessen gutartiger Vorstufen (Adenome)
zur Verfügung.
Diagnostik und Beratung bei erblichem
Dickdarmkrebs
Bei einem Teil der erblich
bedingten Darmkrebserkrankungen ist die genetische Grundlage inzwischen
bekannt. Der Nachweis einer krankheitsverursachenden genetischen Veränderung
(Mutation) bei einer erkrankten Person ermöglicht eine prädiktive
(vorhersagende) molekulargenetische Diagnostik zum sicheren Nachweis oder
Ausschluss der Mutation bei einer Risikoperson der betroffenen Familie.
Hierdurch können die Anlageträger unter den Risikopersonen mit hohem
Erkrankungsrisiko frühzeitig erkannt und die engmaschigen Vorsorgemaßnahmen auf
diese beschränkt werden.
Bei Verdacht auf eine erbliche
Tumorerkrankung in der Familie wird den Patienten bzw. deren Angehörigen eine
humangenetische Beratung empfohlen. Hierbei werden das Vorliegen und
gegebenenfalls die Form der erblichen Krebserkrankung in der Familie
eingeschätzt, es werden die Risikopersonen ermittelt und die Möglichkeiten der
molekulargenetischen Diagnostik bei Erkrankten sowie bei gesunden
Risikopersonen aufgezeigt.